Angkor – mächtig, mystisch und grossartig

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Was wir gestern um Siem Reap im Kambodscha besichtigt haben, ist schlicht und einfach überwältigend. 

Aber beginnen wir mit dem frühen Morgen. Claudia liess es sich nicht nehmen und startete um 6.45 Uhr – um diese Zeit ist es bereits hell – mit einer Joggingrunde. Es war herrlich. Sie rannte auf einer Veloroute aus dem Ort Siem Reap hinaus durch einen zum Teil recht dichten Wald, der dschungelartig wirkte. Die Velospuren sind in einem guten Zustand und das Joggen machte Spass. Claudia entdeckte unterwegs sogar zwei kleinere Schlangen und Schnecken mit grösseren Gehäusen als in der Schweiz. 

Die Velorouten sind gemäss Lonely Planet während der Pandemie gebaut worden. Unterwegs traf Claudia auf einige Jogger, aber vor allem auf Velofahrer, die zum Teil in Gruppen unterwegs waren. 

Um 9 Uhr wurden wir vier – mit Sonnenschutz und Insektenspray eingecremt – vom Guide Vichai, mit Rufnamen Chai, abgeholt. Es war ein sehr warmer und tüppiger Tag, doch dies tat unserem good Feeling keinen Abbruch.

Wir besuchten unter anderem das grösste religiöse Bauwerk der Welt und waren zum ersten mal geflasht: Angkor und verbrachten über drei Stunden darin.

Die Tempel von Angkor sind bekannt für ihre beeindruckende architektonische Einzigartigkeit und Harmonie, ihre kunstvollen Reliefs und die bedeutende kulturelle und spirituelle Geschichte. Sie vermitteln ein Gefühl von Erhabenheit, Mystik und grossem künstlerischen Können. 

Chai erzählte uns die Geschichte Kambodschas mit den Königen und streifte auch kurz die Bürgerkriege, (1970 – 1999) Diese Opferzahl umfasst Menschen, die durch Gewalt, Hinrichtungen, Hunger, Zwangsarbeit und Krankheit starben. Während der Roten-Khmer-Herrschaft wurde fast ein Viertel der damaligen Bevölkerung von rund 7-8 Millionen ausgelöscht. Schätzungen reichen bis zu 3 Millionen Toten.

Kambodscha ist ein Land, das von verschiedenen Ländern beherrscht bzw. beeinflusst worden ist. Das zeigt sich unter anderem in der Hauptreligion. Die Kambodschaner/innen gehören zu 95 % dem Theravada-Buddhismus an, der eine gesetzlich verankerte Staatsreligion ist. Er beruht auf den Lehren des historischen Buddha, der im Kontext hinduistischer und vedischer Kultur Indiens lebte und Einflüsse hat. Sind  in Vietnam der Drachen und die Schildkröte wichtig, sind es in Kamboscha die Schlange (männliche Kraft) und der Löwe (weibliche Kraft).

Absolutes Highlight war der Tempel Ta Prohm, den wir zum Schluss unserer Tour besuchten. Einfach grossartig! Überall wuchert die Natur und Wurzeln von über 300 Jahre alten Bäumen, welche die Steine klammern. Dazu immer wieder Papageie, die mit ihren Gesängen zu hören waren.

Chai war ein ausgezeichneter Guide. Er ist der älteste von fünf Kindern eines Reisfarmers. Damit er seinen Berufswunsch, Touristenguide, ausüben konnte, musste er hart arbeiten. Seine Eltern sind arm, so dass er sich das Geld für das Studium in Restaurants und Hotels verdienen musste. Seit 2017 ist er als Guide im Einsatz. Die Pandemie machte auch ihm einen Strich durch die Rechnung. Denn seither sind die Touristenzahlen in Kambodscha eingebrochen. Vor allem die chinesischen Gäste bleiben aus. Im Oktober hatte Chai nur gerade vier Führungen … Während der Covid-Zeit habe er sein Geld auf dem Bau verdient, erzählte er uns.

Doch nicht nur die ausbleibenden Touristen bereiten Kambodscha Sorgen. Auch die tiefen Preise auf dem weltweiten Reismarkt ist ein grosses Problem. Während in Vietnam die Reisfelder alle geerntet sind, sieht man in Kambodscha noch grün-gelbe, unbearbeitete Reisfelder. Aufgrund der tiefen Preise lohne sich die Ernte nicht, erklärten uns mehrere Personen. 

Unser Guide hat sich alle unsere Namen aufgeschrieben. Mona, Steven und Claudia hatte er keine Probleme auszusprechen. Aber Laffel, das war schwierig für ihn 😉. Denn für Kambodschaner ist das aus Aussprechen des Buchstabens R sehr schwierig. Dieses rollende Verschlucken von Buchstaben erinnert an Indien 🙃.

Wir haben nicht schlecht gestaunt, als wir zum Essen Löffel und Gabel vorfanden. Recherchen ergaben: Stäbchen werden beispielsweise mur bei Nudelgerichten verwendet. Sonst dient die Gabel zum Beladen des Löffels.

Eigentlich hätte dieses Wochenende das Waterfall-Fest stattfinden sollen. Doch dieses wurde abgesagt. Der Grund: Der Krieg an der Grenze zu Thailand. Noch immer seien 18 kambodschanische Soldaten in thailändischer Gefangenschaft, weshalb alle Festivitäten abgesagt worden seien, erklärte uns Chai. 

Apropos Frieden: Als wir Chai sagten, wir kämen aus der Schweiz, meinte er, wir würden im Land des Friedens (Peace) leben. In Siem Reap steht übrigens ein Denkmal von Beat Richner. 

Noch etwas: In Kambodscha wird in Dollar bezahlt. Alle Produkte sind so angeschrieben. Wir haben gar keine Riel gewechselt. 

Kreiert von Stefan

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